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Jerusalem - Stadt der kleinen Wunder

Team des Geburtshauses „Glühwürmchen“ durchlief während seiner Reise ein Wechselbad der Gefühle

Von André Kaiser.

Annaberg-Buchholz/ Jerusalem. Stadt des Friedens, Palast des Schalim, “Die Heilige” - Jerusalem, der Hauptstadt Israels wurden im Laufe der Jahrhunderte viele Namen zugeordnet. Geprägt von Konflikten, Diskrepanzen und religiösen Kriegen gedeiht doch immer wieder Liebe und Leben in der Nähe dieser Stadt, auf dem kargen Boden der Steinwüsten , die Jerusalem umgeben, jüngst in Form von 250 kleinen Olivenbäumchen, einem der vielen kleinen Wunder, welche zwei junge Erzgebirgerinnen während ihrer Mission in der Nähe von Jerusalem erfuhren.

Sie reisten 4.000 Kilometer, um ein Zeichen zu setzen, ein Zeichen für den Frieden, zum Schulterschluss, zur Versöhnung. Mit viel Elan und konkreten Vorstellungen stürzten sich Hebamme Tamar Küchler und Ergotherapeutin Stefanie Rößler vom Geburtshaus „Glühwürmchen“ in das Unternehmen „Jerusalem“. Dabei ereilte die beiden schon am ersten Tag das Gefühl, dass nicht sie ihre Reise bestimmten, sondern vielmehr auf ihrem Weg geführt wurden.

Am Flughafen in Tel Aviv angekommen, standen die beiden da,  in einer für sie  fremden Welt.

Zu diesem Zeitpunkt waren aus Sicherheitsgründen alle Ausgänge abgesperrt, so dass niemand mehr hinein oder hinaus durfte. Ausgerechnet in dieser Situation kam ein Taxifahrer auf uns zu und erklärte, dass seine Fahrgäste nicht gekommen seien und er uns hier raus bringen könne, wenn wir möchten. Das war für uns das erste von vielen kleinen Wundern, die uns während unserer Reise immer wieder begegnen sollten“, berichtet Tamar dem WochenSpiegel.

Und auch das nächste kleine Wunder sollte nicht lange auf sich warten lassen. „Nachdem der Taxifahrer uns  abgesetzt hatte, standen wir wieder da mit unseren Koffern. Hier sollten wir eine Frau treffen, die uns zu unserem Quartier bringen sollte.  Also gingen wir einfach auf die nächstbeste Person zu, fragten in Englisch, ob sie Miri kennt, worauf sie antwortete: ‘Ich bin Miri’. In dem Moment fiel uns ein riesiger Stein vom Herzen. Spätestens jetzt wussten wir, dass unser Weg vorgezeichnet war.“

Der zweite Tag: Heute sollte die große Baumpflanzaktion, ein Bäumchen für jedes im Geburtshaus geborene Baby, und das Treffen mit den Überlebenden des Holocaust stattfinden. Doch zunächst begann der Tag mit einem großen Fest. 50 Holocaust-Überlebende, Eltern und Kinder tanzten gemeinsam mit geschätzten 100 Soldaten, Künstlern und Politikern ausgelassen, lachten, hatten Spaß. Plötzlich wurde es still, als die beiden jungen Erzgebirgerinnen ans Mikro traten, erklärten, weshalb sie hier waren. „Als wir sagten, dass wir mit unserer Aktion ein Zeichen zur Versöhnung der beiden Völker setzen wollten und all jenen, denen Leid widerfahren ist, stellvertretend für Deutschland um Vergebung bitten, brachen viele Dämme und die Herzen öffneten sich. Die Menschen weinten, fielen uns in die Arme und manche sagten mit zittriger Stimme: ‘Wir vergeben euch’. In dem Moment spürten wir: So vieles, was nie ausgesprochen wurde, entlädt sich in einer simplen Geste. Das war wirklich einer der bewegendsten Momente während unseres Aufenthaltes in Jerusalem. Auch die israelischen Soldaten waren sichtlich bewegt, als wir mit ihnen ins Gespräch kamen und ihnen sagten, dass unser Gott auch ihr Gott sei und dass er sie beschützen werde. Es sind so viele wunderbare Eindrücke, die wir in Israel sammeln und mit zurück ins Erzgebirge nehmen durften, so viele Begebenheiten, die uns in unserem Handeln bestärkten.“

Zurück im Erzgebirge: Immer wieder stockte ihnen der Atem beim Versuch, das Erlebte in Worte zu fassen. Immer wieder rangen sie um Fassung. Tamar und Stefanie zeigten letzten Donnerstag im voll besetzten Geburtshaus in Annaberg nicht nur einen Dia-Vortrag. Sie erzählten nicht nur von ihrer Reise. Vielmehr projizierten sie die erlebten Eindrücke und Emotionen auf die Zuhörer. So mussten Muttis ein ums andere Mal das Taschentuch zücken und sich die Augen wischen. Und Tamar verspricht: „Wir machen weiter, pflanzen auch für unsere nächsten Geburtshaus-Babys Bäumchen in Jerusalem.  Manche Eltern haben bereits angekündigt aktiv mit zu helfen und uns das nächste Mal nach Israel zu begleiten.“ So dürften bald weitere Bäumchen in der Wüste gedeihen, weitere Bäumchen für unsere Babys, zur Versöhnung, für’s Leben, für ein freundschaftliches Miteinander