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Wochenspiegel, Mittwoch, 23.01.2013

 
Ein Bäumchen zur Versöhnung

Erzgebirgerinnen pflanzen nahe Jerusalem für jedes im Geburtshaus Glühwürmchen geborene Baby einen Olivenbaum


Geburtshaus-Leiterin und Hebamme Tamar Küchler (rechts) und Ergotherapeutin Stefanie Rößler vor einem Berg von Grußkarten und Bildern. Die beiden Erzgebirgerinnen brechen heute nach Israel auf.

Foto: Geburtshaus Glühwürmchen

André Kaiser
Jerusalem / Annaberg-Buchholz | 23.01.2013

Noch sitzen sie entspannt auf dem Boden, sortieren die unzähligen Grußkarten und liebevoll gemalten Bilder der Kinder. Tamar und Stefanie lächeln, freuen sich über die hohe Anteilnahme und die vielen Zusendungen der Erzgebirger, keine Spur von Nervosität oder Aufregung. Dabei hätten sie doch allen Grund dazu. Schließlich trennen die beiden zu diesem Zeitpunkt nur noch wenige Stunden von ihrem großen Abenteuer, dem Abenteuer Israel. 

Tamar Küchler, Hebamme und Leiterin des Geburtshauses Glühwürmchen und Ergotherapeutin Stefanie Rößler brechen am heutigen Mittwoch zu einer Mission im doppelten Sinne auf. Zum einen treffen die beiden jungen Frauen im Rahmen einer Feier 50 Überlebende des Holocaust und schenken ihnen die im Erzgebirge gesammelten Grußkarten und Bilder als Symbole der Versöhnung zwischen Juden und Deutschen.

Zum anderen pflanzen die beiden gemeinsam mit den Israelis in einer Steinwüste östlich von Jerusalem 250 Ölbäumchen – für jedes im Geburtshaus Glühwürmchen geborene Baby eins. „Die kleinen, jungen Öl- bzw. Olivenbäumchen werden von einer Tropfanlage mit Wasser versorgt, bis sie kräftig genug und ihre Wurzeln tief in der Erde sind. Zudem wird sich ein Gärtner um das kleine Wäldchen, einem künftigen Ort der Ruhe und des Friedens, kümmern“, erklärte Tamar Küchler vor ihrer Abreise dem WochenSpiegel. Jedem Pflänzchen werde ein Namensschild des jeweiligen Babys zugeordnet. „Und wenn die Bäume groß sind und ihre Früchte geerntet werden können, sollen diese versteigert bzw. verkauft und der Erlös unter den Bedürftigen in Israel verteilt werden“, so die Hebamme weiter. 

Eine wunderbare Aktion, ein Pilotprojekt mit unwahrscheinlich hohem Symbolcharakter, welches es in dieser Form sicher noch nicht gab und vielleicht sogar auch nicht gegeben hätte, wäre die Durchführung der Aktion in Deutschland möglich gewesen. Letztendlich kommt es immer, wie es kommen soll und darüber sind die beiden Erzgebirgerinnen glücklich. „Wir reisen mit sehr viel Freude im Herzen nach Israel und sind überglücklich, dass wir dank unserer Geburtshaus-Eltern und der vielen Bäumchen-Paten, die uns finanziell unterstützen, die Möglichkeit bekommen, ein Zeichen zu setzen“, sagte Tamar noch vor ihrer Abreise – ein Zeichen zur rechten Zeit. Denn am kommenden Sonntag jährt sich der Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus, der Tag des Gedenkens an die unzähligen Menschen, die damals entrechtet, verfolgt, gequält und ermordet wurden.

Realisiert werden konnte die Aktion neben der tatkräftigen Unterstützung der vielen Erzgebirger vor allem durch Doran Schneider, einem jüdischen Journalisten, der in Deutschland geboren wurde und im Alter von zehn Jahren mit seinen Eltern nach Israel auswanderte.

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