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Geburt von Baby Moritz am 25.04.2012

Durch Zufall bin ich vor zwei Jahren im Internet auf die Homepage des Geburtshauses aufmerksam geworden. Als das Geburtshaus dann letzten Jahres nach Annaberg gezogen ist und zur Einweihungsparty eingeladen hat, mussten wir unbedingt vorbeischauen. Vor Ort waren wir von den Räumlichkeiten, der Atmosphäre und den lieben Hebammen überwältigt und für uns stand fest, dass, wenn es die Umstände erlauben, unser Kind einmal im Geburtshaus Annaberg zur Welt kommen soll.

 

Zwei Monate später war es dann schon soweit: wir erwarteten unser 1. Baby. Die ersten Vorsorgeuntersuchungen und Ultraschalls ließen wir bei meiner Frauenärztin machen. Nach dem letzten Ultraschall in der 31. Woche entschieden wir uns dann aber dafür, die weiteren Vorsorgeuntersuchungen im Geburtshaus machen zu lassen. Das war mit einer der besten Entscheidungen, wie sich herausstellte. Hier nahm man sich sehr viel mehr Zeit für uns und unsere Fragen, der Partner wurde wunderbar mit einbezogen und die Untersuchungen an sich, waren sehr viel gründlicher als bei meiner Frauenärztin. Die Schwangerschaft verlief ohne Komplikationen und einer Geburt im Geburtshaus stand daher nichts mehr im Wege, worüber wir uns sehr freuten.

 

Der berechnete Geburtstermin war der 19.04.2012. Die Tage vergingen und nix passierte. Mittlerweile war ich 5 Tage über dem Termin und hatte mich bei meiner Schwiegermutter, welche nur 15 Minuten vom Geburtshaus entfernt wohnt, eingenistet. Normalerweise leben wir eine Stunde von Annaberg entfernt. Doch die Fahrt wollte ich mir ersparen. In der Nacht vom 24. zum 25.04.2012 bemerkte ich plötzlich ein Ziehen im Unterleib. Zunächst blieb ich noch im Bett liegen, doch als nach 15 Minuten wieder ein Ziehen kam, war ich mir sicher, dass das Wehen sind und es jetzt losgeht. Ich alarmierte meinen Partner, der sich sofort auf den Weg machte, zog mich an, packte meine ganzen Sachen zusammen und lief in der Wohnung auf und ab. Die Wehen nahmen ganz schön an Tempo zu. Kurz nach Mitternacht rief ich dann Tamar an und wir vereinbarten, dass wir uns 2 Uhr im Geburtshaus treffen. Mein Partner holte mich ab und wir fuhren im Eiltempo nach Annaberg. Dort angekommen, empfing uns Tamar sehr herzlich und wir entschieden uns dafür, dass unser Kind in dem wunderschönen orangenen Raum geboren werden soll. Tamar hatte überall Kerzen angemacht, es war angenehm warm und es herrschte eine schöne und entspannte Atmosphäre. Die Wehen kamen mittlerweile im 3-Minuten-Rhythmus und der Muttermund war schon 5‑6 cm geöffnet, wie uns Tamar nach einer kurzen Untersuchung freudig mitteilte. Wenig später kam auch schon Catharina, die zweite Hebamme dazu. Tamar gab mir während den Wehen viele Tipps und ich nahm viele verschiedene Gebärpositionen ein. Eine sehr effektive war das Stehen am Wickeltisch mit einem Bein auf dem Gebärhocker, durch die unser Baby sehr gut ins Becken rutschte und ich schon bald mit dem Pressen beginnen konnte. Es hat eine Weile gedauert, bis ich den Dreh raus hatte, wie ich richtig pressen muss. Doch  dann  ging alles ziemlich zügig. Mein Partner war die ganze Zeit an meiner Seite, hielt meine Hand und hat mich unterstützt, wo er nur konnte. Den Gebärhocker empfand ich dann für den Endspurt am angenehmsten. Zum einen konnte ich mich gut an meinen Partner anschmiegen, meine Beine konnten entspannen, in denen langsam die Kraft nachließ, und auch das Pressen in dieser Gebärposition war sehr effektiv. Das Köpfchen unseres Babys war dann bereits in den Geburtskanal gerutscht und als es ein wenig herausguckte, ermutigte uns Tamar einmal zu fühlen. Nach kurzem Zögern machten wir es dann und es war ein überwältigendes Gefühl, unser Kind das erste Mal berühren zu können. Nach wenigen Wehen war das Köpfchen dann schon da und nach noch einer, machte es auf einmal „flutsch“ und unser Sohn Moritz erblickte um 5.43 Uhr das Licht der Welt und fiel Tamar in die Hände.

 

Da lag er nun der kleine Wurm. Das war so ein bewegender Moment, den wir nie vergessen werden. Tamar und Catharina begutachteten Moritz und teilten uns mit, dass er schön rosig ist und es ihm gut geht. Danach halfen sie mir ins Bett, in dem wir drei es uns dann gemütlich machten und ganz in Ruhe die erste Zeit zu dritt genossen. Wir beschnupperten und beäugten unseren Sohnemann und konnten unser Glück gar nicht fassen. Als die Nabelschnur auspulsiert hatte, durfte der stolze Papa sie durchtrennen und Catharina hat dann sehr professionell und fürsorglich unseren Moritz untersucht, gemessen und gewogen.

 

Zwei Stunden nach der Geburt bekam ich dann leider starke Oberbauchschmerzen und einen erhöhten Blutdruck. Catharina und Tamar beschlossen den Krankenwagen zu rufen und mich ins Krankenhaus zu verlegen. Sie handelten sehr schnell und gewissenhaft und nach wenigen Minuten war der Krankenwagen schon da. Was ich in dieser Situation unheimlich toll fand, war, dass Tamar während der Fahrt ins Krankenhaus und auch noch bei dem ersten Arztgespräch an meiner Seite blieb. Dadurch fühlte ich mich sehr geborgen und ich war mir sicher, dass die Ärzte alle Infos erhalten, die sie benötigen. Auch während meines einwöchigen Krankenaufenthaltes kam mich die ersten Tage immer eine der Hebammen aus dem Geburtshaus besuchen und erkundigte sich nach meinem Zustand. Darüber habe ich mich jedes Mal unheimlich gefreut und ich wusste das sehr zu schätzen.

 

Auch wenn die Geburt im Geburtshaus nicht mit einer Fahrt nach Hause, sondern einer Einweisung in das Klinikum geendet ist, sind wir immer wieder froh darüber, unseren Sohn im Geburtshaus entbunden zu haben. Die Atmosphäre, Zuwendung, Fürsorge und liebevolle sowie kompetente und professionelle Betreuung in der Schwangerschaft und während der Geburt sind einfach einzigartig. Wir fragen uns immer wieder, ob bei einer Geburt in einem Krankenhaus mein sich verschlechternder Zustand genauso schnell erkannt worden wäre. Wir danken euch so sehr und hoffen, dass auch Kind Nr. 2 irgendwann einmal bei euch im Geburtshaus zur Welt kommen wird.

  

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